Hameln scheint mit seiner stark vertretenen alten Bevölkerungsschicht und seinen Touristen für Spendensammler recht attraktiv zu sein.
Es waren wieder fünf Spendensammler für arme, notdürftige Tiere in der Innenstadt unterwegs. Die einen warben um eine Mitgliedschaft für ihren nicht-gemeinnützigen Verein (wobei mir das “nicht-gemeinnützig” als Vorteil verkauft wurde – hierüber muss ich wirklich nochmal echt nachdenken) und gingen immer nach dem selben Muster vor: “Darf ich kurz stören – du hast doch sicher auch ein Herz für Tiere?” Die jüngeren Leute wurden dann sofort nach ihrem Alter gefragt – wohl eine Frage nach der Geschäftsfähigkeit. Es folgte eine schnelle Tour durch wild zusammengewürfelte Mappen mit den üblichen Bildern von Versuchstieren, Massentierhaltung, Hundekämpfen und so weiter und so fort.

Skurril waren dabei die Aussagen, wenn man durch Fragen vom vorgegeben Plan abwich. Keiner der Werber war Vegetarier, auf Fleisch bräuchte man auch nicht zu verzichten, da in den Kühlhäusern ja noch so viel Fleisch wäre – das würde ja sonst vergammeln.
Auf andere Fragen bekam man Antworten, die massives Unwissen in vielen Bereichen zeigten. Aber sie würden das Werben hier vollkommen ehrenamtlich ohne jegliche Bezahlung machen und sich in ihren gesamten Freizeit damit beschäftigen – auch wenn mich der Satz “das kann ich mir ja nicht alles in den paar Stunden anlesen“, der zwischendurch mal fiel, sehr verwunderte…
Auch hoffe ich, dass sie keinen Neid ihren vollbeschäftigten Kollegen gegenüber hegen. Ihr Verein stellt nämlich Anzeigen bei Jobbörsen ins Netz, die genau jenen Anwerberjob als Vollzeitjob anpreisen – man braucht der Anzeige nach übrigens dafür keine Voraussetzungen, außer viel unterwegs sein zu können.

Eine andere Spendensammlerin stand mit klappernder verplombter Büchse (und nebengestellter Tupperdose, wo das Geld meist hinkam) in der Innenstadt. Viel konnte ich von ihr nicht erfahren: “Hallo, kommen Sie aus Hameln?” – “Nö.” – “Kann ich was über ihren Verein erfahren?” – “Nö.” – danach ignorierte sie mich vollends…
Naja, ich lege doch mal wieder allen Leuten die guten Ratschläge des Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen/DZI ans Herz:
- DZI-Tipps für Spender: Die 7 wichtigsten Tipps für Spender/-innen
- DZI-Tipps für Spender: Haustür- und Straßenwerbung (“Drücker”)
Infomaterial vom ersten Stand durfte ich übrigens keins mitnehmen – auf die Aussage, ich hätte erst in zwei Monaten vermutlich wieder Geld, dann würde ich es mir gerne überlegen, wurde mir zweimal erwidert: “Das macht nix, unser Einzug fängt eh erst 2 Monate nach dieser Unterschrift an – dann können sie doch getrost jetzt schon unterschreiben.“
Andere Möglichkeiten als eine Einzugsermächtigung wurden übrigens nicht akzeptiert und die Kündigungsfristen und Laufzeiten stellten selbst die der großen Telefonkonzerne in den Schatten…
