Und da dachte ich, diesmal würde ich die gesamte Fahrt von Hameln nach Oldenburg nur Statistikbücher und Artikel lesen ohne irgendwelche neuen Bahnfahrtereignisse.

Aber nein, in Bremen saß mir auf der anderen Seite des Wagons eine Studentin gegenüber, die nach einiger Zeit das Buch “Multivariate Analysemethoden” aus ihrer Tasche zog, ein bißchen darin las, es dann wieder weglegte und aus dem Fenster schaute. Da ich gerade in der mir vorhandenen Literatur ein paar Bezeichnungen nicht fand und eine Bemerkung nicht verstand, fragte ich sie: “Entschuldigung, kann ich mal in dein Buch, die ‘Multivariaten Analysemethoden’, schauen?”
Darauf reagierte sie erstmal gar nicht. Vielleicht war sie zu sehr in Gedanken oder vielleicht dachte sie aber auch, es wäre ein dummer Anmachspruch – dann aber doch wohl ein äußerst schlechter, den man nur hätte toppen können mit “Achso, DU bist die dumme Kuh, die das Buch vorgemerkt hatte, weswegen ich es abgeben musste…“.
Das wäre aber sehr unfair gewesen, denn nach einer zweiten Anfrage, auf die sie reagierte, ließ sie mich nicht nur (allerdings vergeblich) in dem Buch nach meiner Frage blättern, sondern fragte mich dann nach dem Problem aus und konnte mir tatsächlich weiterhelfen.
Als Psychologiestudentin, die auch schon Tutorin in mehreren Statistikveranstaltungen gewesen war, hatte sie deutlich mehr Ahnung von dem angewandten Thema, was mich beschäftigte, als ich. (Außerdem war sie dazu noch von dem seltenen Typ Mensch, der es schafft, nach wenigen Minuten Gespräch über Unipolitik und Sonstiges einem wieder Vertrauen in die Menschen und gute Laune für den Rest des Tages zu geben.)
Was für ein Glück, dass sie das von mir ausgeliehene Buch vorgemerkt hatte – ich hätte sonst noch länger grübeln müssen…